In der Sitzung der Bezirksversammlung Harburg am 2. Juni 2026 wurde unser Antrag 22-1772 erfolgreich angenommen. Ziel der Initiative ist es, moderne Technologien der Fernerkundung und Geoinformationen systematisch zu nutzen, um die Vitalität des Harburger Baumbestandes zu überwachen und die Stadtplanung gezielt an die Folgen des Klimawandels anzupassen.
Die Herausforderung: Klimastress für urbane Bäume
Straßenbäume und Grünanlagen sind im dicht bebauten Raum von zentraler Bedeutung. Sie tragen durch Verschattung und Verdunstungskühlung maßgeblich dazu bei, sogenannte urbane Hitzeinseln abzumildern und die Lebensqualität im Bezirk zu sichern. Allerdings führt der fortschreitende Klimawandel mit intensiveren Hitzeperioden und anhaltender Trockenheit zu erheblichem Stress für den Baumbestand.
Bisher erfolgt die Pflege und Kontrolle der Harburger Bäume überwiegend durch turnusmäßige Vor-Ort-Begehungen. Diese sind für die Verkehrssicherheit unerlässlich, stoßen bei einer großflächigen, kontinuierlichen Überwachung des Gesundheitszustandes jedoch an personelle und zeitliche Grenzen.
Unser Ansatz: Vorhandene Datenpotenziale ausschöpfen
Die Freie und Hansestadt Hamburg verfügt über eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. Der Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg (LGV) erhebt und pflegt bereits umfangreiche raumbezogene Daten, darunter:
- Regelmäßige Luftbildbefliegungen (einschließlich Color-Infrarot-Aufnahmen zur Vegetationsanalyse)
- Digitale Oberflächen- und Geländemodelle
- LiDAR- (Laser-Scanning) und Mobile-Mapping-Daten
Zudem wird ein digitales Baumkataster geführt, das neben Parametern wie Stammumfang und Kronendurchmesser theoretisch auch Vitalitätsbewertungen auf Basis von Fernerkundungsdaten erlaubt.
Moderne, automatisierte Verfahren ermöglichen es heute, diese Daten für zeitreihenbasierte Analysen zu nutzen. Dadurch lassen sich Veränderungen der Baumkronenstrukturen verfolgen, Vegetationsindizes zur Früherkennung von Trockenstress ableiten und präzise Verschattungseffekte im Tages- und Jahresverlauf simulieren.
Der Beschluss: Verwaltung soll im Ausschuss berichten
Bislang war unklar, in welchem Umfang diese technologischen Möglichkeiten im Bezirk Harburg bereits systematisch für die Verwaltungspraxis genutzt werden. Mit dem Beschluss der Bezirksversammlung wird die Verwaltung nun um Folgendes gebeten:
- Verantwortliche Einladen: Vertreterinnen und Vertreter des Bezirksamts sowie der zuständigen Fachbehörden – insbesondere des LGV – werden in eine der kommenden Sitzungen des Ausschusses für Klima, Umwelt und Verbraucherschutz (KUV) eingeladen.
- Aktuelle Methoden erklären: Es soll transparent dargestellt werden, welche Datengrundlagen und Methoden in Hamburg aktuell zum Einsatz kommen und inwieweit diese auf den Bezirk Harburg angewendet werden.
- Zukunftspotenziale aufzeigen: Die Verwaltung soll darlegen, welche Möglichkeiten für Zeitreihenanalysen bestehen und wie diese Daten als verlässliche Grundlage für eine klimaangepasste Stadtplanung, gezielte Bewässerungskonzepte sowie die Priorisierung von Nachpflanzungen genutzt werden können.
Für die Volt Fraktion Harburg ist dieser Beschluss ein wichtiger Schritt hin zu einer datenbasierten und vorausschauenden Kommunalpolitik. Indem wir vorhandene Geodaten intelligent nutzen, können wir begrenzte Ressourcen in der Baumpflege dort einsetzen, wo sie am dringendsten benötigt werden und Harburg langfristig resilienter gegen Hitze- und Trockenperioden aufstellen.
