Alkohol wird in vielen Supermärkten zwischen Schokolade und Süßigkeiten verkauft. Das verharmlost den Konsum und ist eine Belastung für alkoholkranke Menschen, die sich beim alltäglichen Einkauf einem unvermeidlichen Trigger stellen müssen. Die Fraktionen von Die Linke und Volt bitten deshalb Aldi-Nord, Lidl, Rewe und Edeka, Alkohol aus dem Kassenbereich zu entfernen.
Die Fraktionen sind an die vier großen Lebensmittelkonzerne Aldi-Nord, Lidl, Rewe und Edeka herangetreten und haben sie zur freiwilligen Selbstregulation angeregt. Außerdem haben sie einen gemeinsamen Antrag eingereicht (Dsr. 22-1753), welcher auf vielseitige Weise die Aktion Alkoholfreie Kassen unterstützt.
„Die ganz alltäglichen Situationen, sind meistens die heikelsten. An vielen Supermarktkassen werden Fläschchen hochprozentiger Alkohol angeboten. Das ist insbesondere für alkoholkranke Menschen ein Problem, welches einfach zu beheben wäre. Wir unterstützen daher die Aktion Alkoholfreie Kassen. Es gilt, Sucht zu enttabuisieren und offen über alltägliche Unterstützung alkoholkranker Menschen zu sprechen.“ — Wiebke Fuchs, Bezirksabgeordnete der Fraktion Die Linke in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord.
„Alkoholfreie Kassen sind ein kleiner Umbau mit großer Wirkung. Wer täglich einkauft, sollte nicht an der Kasse gegen einen Rückfall ankämpfen müssen. Ich werbe dafür, dass Supermärkte im Bezirk hier vorangehen und Menschen in ihrem Alltag ohne Alkohol nachhaltig unterstützen.“ —Dr. Jörg Bormann, Mitglied der Volt-Fraktion in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord
Alkoholfreie Kassen
Die Aktion Alkoholfreie Kassen gibt es seit 2024. Mit Briefen an Supermärkte, sowie Vorträgen und Aktionen auf Social Media setzt die Initiative sich dafür ein, dass Supermärkte den Alkohol aus dem Kassenbereich entfernen.
Warum ist das wichtig? Weil Menschen, die aufgrund ihrer Alkoholerkrankung enthaltsam leben, im Alltag immer wieder damit zu kämpfen haben, nicht rückfällig zu werden. Beispielsweise, wenn sie während des Einkaufes in der Schlange warten, ist kostengünstiger Alkohol ständig im Blick. Alkoholkranke Menschen müssen ihre Impulse die ganze Zeit kontrollieren, damit sie nicht zu diesem Mitnahme-Artikel greifen.
Diesen Trigger können alkoholkranke Menschen fast nicht vermeiden: Supermärkte sind für den täglichen Bedarf – und Wartezeiten an der Kasse unvermeidlich. Schnell wird deshalb ein Einkauf zur Stress-Situation für alkoholkranke Menschen. Darüber hinaus hat die Platzierung zwischen Kaugummi und Hustenbonbons eine Normalisierung zur Folge: Kinder und Jugendliche können Alkohol so leicht als etwas harmloses wahrnehmen – statt als schädliches Nervengift.
Dabei geht es explizit nicht um ein Alkoholverkaufsverbot, sondern darum, einen ständigen Trigger zu vermeiden. Diese Art der Verhältnisprävention unterstützt suchtkranke Menschen bei ihrem Leben in Nüchternheit und signalisiert, dass es sich bei Alkohol nicht um ein „normales“ Lebensmittel handelt.
Darüber hinaus kann die Platzierung zwischen Kaugummi und Hustenbonbons zur Folge haben, dass für Kinder und Jugendliche der Eindruck entsteht, dass es sich bei Alkohol um eine Ware wie jede andere handelt, die ganz harmlos ist und kein schädliches Nervengift.
Fast 3% der Hamburger*innen waren schon in Behandlung
Laut Barmer Ersatzkasse waren in Hamburg (2022) knapp 40 000 Menschen wegen Alkoholabhängigkeit in ambulanter oder stationärer Behandlung. Das entspricht 2,6% der (volljährigen) Hamburger Bevölkerung. Zu dieser Gruppe kommen Menschen, die schon länger enthaltsam leben, aber nicht mehr in Behandlung sind, sowie Menschen, die einen risikohaften Alkoholkonsum haben.
Für die Fraktionen von Die Linke und Volt steht daher fest: Der Weg des Bezirks zu alkoholfreien Kassen ist der Weg des Gesprächs und der Überzeugung – und nicht der eines Alkoholverkaufsverbots!