
Hamburg, 28.09.2026 – Die Volt-Fraktion in der Bezirksversammlung Altona hat in der Sitzung am 24. September 2026 eine Aktuelle Stunde zu den Auswirkungen der geplanten Hamburger Kürzungen auf die Schulen im Bezirk angemeldet. Anlass waren zahlreiche Zuschriften von Elternräten, Schulen und Familien, die mit großer Sorge auf die Einsparungen im Haushaltsentwurf des Senats blicken.
Für die Volt-Fraktion war es ein zentrales Anliegen, diesen Befürchtungen in der Bezirksversammlung Raum zu geben. Elternräte, Schulgemeinschaften und Familien erleben die Folgen bildungspolitischer Entscheidungen unmittelbar im Schulalltag ihrer Kinder. Ihre Sorgen verdienen es, öffentlich gehört, sachlich eingeordnet und in die politische Debatte getragen zu werden, gerade dann, wenn die Entscheidungen auf Landesebene fallen, die Folgen aber vor Ort in den Stadtteilen spürbar werden.
Patrick Fischer, Co-Vorsitzender von Volt Altona, sagt dazu: „Die Zuschriften der Elternräte haben uns sehr bewegt. Uns ist es ein Anliegen, den berechtigten Sorgen Gehör zu verschaffen und sie einzuordnen. Es geht um geringere Bildungschancen, weniger Bildungsgerechtigkeit und ein reduziertes Bildungsangebot für die Schüler*innen in Altona.“
Die im Haushaltsentwurf vorgesehenen Kürzungen betreffen alle Schulformen. Bereits die verschärfte Bewilligungspraxis bei Schulbegleitungen erschwert inklusive Bildung an vielen Standorten erheblich. In seinem Redebeitrag stellte Fischer zwei Vorhaben in den Mittelpunkt, die ab dem Schuljahr 2027/28 schrittweise wirksam werden sollen und die Altonaer Schullandschaft besonders empfindlich treffen.
Grundschulen: Rückbau der gebundenen Ganztagsschulen
Hamburgs gute Platzierung im Bildungsmonitor beruht wesentlich darauf, dass die Stadt über Jahre gezielt in die frühe Bildung an den Grundschulen investiert hat. Die gebundene Ganztagsschule nach Rahmenkonzept ist dabei keine Schule mit angehängter Betreuung, sondern ein zusammenhängender, rhythmisierter Bildungstag von 8 bis 16 Uhr, in dem Unterricht, Lernzeiten, Förderung und Kurse ineinandergreifen. Getragen wird er von multiprofessionellen Teams aus Lehrkräften, Erzieher*innen und Honorarkräften.
Der Haushaltsplan-Entwurf 2027/2028 stellt dieses Modell grundlegend um. Die Umstellung beginnt zum 1. August 2027 mit den Vorschulklassen. Vollständig entfällt die Ressource zum Schuljahr 2028/2029: Ab dann sind für die Vorschule und die Klassen 1 bis 4 keine Lehrkräftestunden und keine Honorarmittel für den Ganztag mehr vorgesehen. Bislang erhielt jede Ganztagsgruppe zehn Wochenstunden einer Lehrkraft und 300 Honorarstunden im Jahr. Diese Mittel sollen rechnerisch durch einen höheren Erzieher*innen-Anteil ersetzt werden. Ab 13 Uhr wird damit aus Schule Betreuung.
In Altona betrifft dies zwölf Ganztagsgrundschulen nach Rahmenkonzept mit rund 4.700 Schüler*innen. Gebundene Ganztagsschulen wurden gezielt an Standorten mit schwierigen sozialen Lagen aufgebaut: Fast die Hälfte der Hamburger Ganztagsgrundschulen nach Rahmenkonzept hat den Sozialindex 1 oder 2. In Altona gehören dazu etwa die Grundschulen Luruper Hauptstraße, Langbardheide und Franzosenkoppel sowie die Fridtjof-Nansen-Schule in Osdorf und Lurup. Ein Elternrat fasst die Befürchtung so zusammen: Am Nachmittag drohe eine reine „Aufbewahrung“ der Kinder.
Dazu erklärt Fischer: „Wenn die konsistente professionelle Lernbegleitung entzogen wird, trifft es diejenigen Kinder am meisten, die von zu Hause nicht mit ausreichenden Bildungschancen ausgestattet sind. Der wichtigste Hebel gegen herkunftsbedingte Bildungsungleichheit wird damit in die entgegengesetzte Richtung gedreht. Die Kürzungen bei den gebundenen Ganztagsschulen sind eine Kapitulation bei den Bemühungen um Bildungsgerechtigkeit.“
Gymnasien: Einbußen bei Qualität und Vielfalt der Bildungsangebote
In den meisten Stadtteilen Altonas ist das Gymnasium die mit Abstand dominierende weiterführende Schulform, sodass der Bezirk auch hier überproportional betroffen ist. Nach dem Haushaltsplan-Entwurf steigt ab dem 1. August 2027 jahrgangsweise die Basisfrequenz, nach der die Lehrkräfteressource berechnet wird: in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 von 24 auf 25, in der Oberstufe von 22 auf 24. Zugleich sinkt die Vertretungsreserve um rund 43 Prozent. Der Planwert für den nach Stundentafel erteilten Unterricht wird von 99 auf 98 Prozent abgesenkt; ein Prozentpunkt entspricht an Hamburgs Gymnasien rund 28.500 Unterrichtsstunden im Jahr.
Die Antwort des Senats auf die Schriftliche Kleine Anfrage der CDU-Abgeordneten Antje Müller-Möller und Birgit Stöver (Drs. 23/5119) bestätigt die Befürchtungen der Schulen. Der Senat räumt selbst ein, dass sich die Maßnahmen „insbesondere bei der Zahl und Größe von Kursen, bei der Profilbildung sowie bei Fächern mit regelmäßig geringeren Teilnehmerzahlen wie z. B. Fremdsprachen, Physik, Chemie und Musik bemerkbar machen“ können. Eine Untersuchung der konkreten Auswirkungen auf Lerngruppengrößen, Wahlpflicht- und Förderangebote legt er nicht vor, und zu den geprüften Alternativen nimmt er unter Verweis auf die interne Meinungsbildung keine Stellung. Zugleich plant die Behörde weiterhin mit einer Lernförderquote von 8 Prozent, obwohl der Wert im Jahr 2025 bei 10,6 Prozent lag.
Fischer sagt dazu:„Es ist paradox, dass die Senatorin mit der Oberstufenreform den Erhalt der Profile zusagt und zugleich die Ressourcen dafür kürzt. Viele Profile mit Physik, Chemie, Musik, Französisch oder Griechisch werden so nicht länger aufrechterhalten werden können. Für die Gymnasien in unserem Bezirk ist es jetzt wichtig, dass die demokratisch-bürgerliche Opposition in der Bürgerschaft diese Einschnitte deutlich zum Thema macht.“
Über den Doppelhaushalt entscheidet die Bürgerschaft im Dezember 2026. Die von der Elternkammer Hamburg bereits im Juli geforderte Auswirkungsanalyse für die einzelnen Schulen liegt bislang nicht vor. Die Volt-Fraktion schließt sich der Forderung der Elternkammer ausdrücklich an: Vor der Haushaltsentscheidung müssen die Auswirkungen für jede einzelne Schule offengelegt werden.
Für die Volt-Fraktion droht vom ersten Schultag bis zum Abitur ein schleichender Abbau von Bildungsqualität. Auf dem Spiel stehen Bildungschancen, Bildungsgerechtigkeit und Bildungspluralität, in besonderem Maße in der Altonaer Schullandschaft.
Patrick Fischer erklärt abschließend: „Wenn Hamburg den dritten Platz im Bildungsmonitor halten möchte und wenn Gerechtigkeit, Qualität und Vielfalt an unseren Schulen erhalten bleiben sollen, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, beim Haushaltsentwurf gegenzusteuern. Sicher ist: Die Korrektur, die in einigen Jahren nötig sein wird, um die Basiskompetenzen der Schüler*innen zu sichern, wird teurer und den Haushalt deutlich stärker belasten. Wir danken den Elternräten, Schulen und Familien für ihr Engagement und werden ihre Anliegen weiter in die Bezirksversammlung tragen.“
Für Rückfragen:
Patrick Fischer, Fraktion Volt Altona
patrick.fischer@volteuropa.org
