Den Wilden Wald erhalten – Für eine naturnahe Zukunft des Spreehafenviertels

Ausgangslage

Im Norden Wilhelmsburgs plant die Stadt Hamburg auf einem etwa 20 Hektar großen Areal das sogenannte Spreehafenviertel. Nach den ursprünglichen Plänen des Bebauungsplan-Entwurfs Wilhelmsburg 102 sollen dort rund 1.100 Wohneinheiten und außerdem Gewerbeflächen, Kindertagesstätten und Sportanlagen entstehen. Von dieser Planung betroffen ist der etwa acht Hektar große „Wilde Wald“ – ein über 60 Jahre alter Pionier- und Sukzessionswald, der nach der verheerenden Sturmflut vom Februar 1962 auf dem Gelände ehemaliger bewohnter Kleingärten gewachsen ist.

Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft hat in einer Antwort auf eine Anfrage aus der Bezirksversammlung (Drucksache 23-1006) unmissverständlich klargestellt: Die Flächen des Wilden Waldes werden rechtlich als Wald im Sinne des Landeswaldgesetzes eingestuft. Die oberste Forstbehörde hat dies auf Basis einer Waldkartierung aus dem Jahr 2015 bestätigt. Es handelt sich damit nicht um eine beliebige Grünfläche, sondern um eine von wenigen Waldflächen im gesamten Bezirk Hamburg-Mitte. Schon jetzt ist unser Bezirk einer der waldärmsten in Hamburg. 

Unsere Position: Weitestgehender Erhalt des Waldes

Die Volt-Fraktion Hamburg-Mitte spricht sich für den weitestgehenden Erhalt des Wilden Waldes aus. Wir lehnen eine Bebauung ab, die zur großflächigen Rodung dieses ökologisch wertvollen und historisch bedeutsamen Waldgebiets führen würde.

Der Zukunftsentscheid verpflichtet zum Handeln.

Am 12. Oktober 2025 haben 53,2 Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger für den Zukunftsentscheid gestimmt und damit das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 verbindlich festgeschrieben. Die großflächige Rodung eines über sechs Jahrzehnte gewachsenen Waldes steht in direktem Widerspruch zu diesem demokratisch legitimierten Klimaziel. Obwohl der Zukunftsentscheid vor allem die Senkung der Emissionen bestimmt, sollte hier gehandelt werden.

Wälder sind CO₂-Senken, die Jahre brauchen, um ihre volle ökologische Funktion zu entfalten.
Hinzu kommt die unzureichende ÖPNV-Anbindung: Das Gebiet wird derzeit nur durch den Metrobus 13 erschlossen.
Unabhängig vom Zukunftsentscheid widerspricht der vorgesehene Bebauungsplan auch schon vorher bestehenden Bestimmungen. Beispielsweise ist das vorrangige Ziel der Globalrichtlinie Wald, an die die Bezirke gebunden sind, „der dauerhafte Erhalt der Wälder im Eigentum der Freien und Hansestadt Hamburg“.

Der ökologische Wert ist erheblich.

Der Wald beherbergt einen artenreichen Bestand mit einer Vielzahl an Bäumen. Über Jahrzehnte konnte sich hier eine vielfältige Flora und Fauna entwickeln – darunter nach Angaben von Naturschutzverbänden auch Fledermäuse, zahlreiche Brutvogelarten und Amphibien.

Die Voraussetzungen für ein neues Großquartier sind nicht gegeben.

Die Hamburger Freiraumbedarfsanalyse von 2012 weist Wilhelmsburg als einen der prioritären Handlungsräume für die Freiraumversorgung aus – mit dem massiven Wohnungsbau der kommenden Jahre wird der Druck auf die vorhandenen Freiräume weiter steigen.
Hinzu kommt die unzureichende ÖPNV-Anbindung: Das Gebiet wird derzeit nur durch den Metrobus 13 erschlossen.
Eine Verlängerung der U4 nach Wilhelmsburg wird aktuell noch geprüft. Es ist also noch völlig unklar, ob und wann das geplante Quartier eine U-Bahn-Anbindung erhält.
Künftige Bewohnerinnen und Bewohner müssten also zumindest viele Jahre ohne schnelle ÖPNV-Anbindung auskommen, oder müssten eventuell sogar komplett auf diese verzichten.
Vor dem Hintergrund, dass die Metrobuslinie 13 schon jetzt tagsüber alle 4-6 Minuten fährt und zu den Stoßzeiten komplett ausgelastet ist, würden nicht nur die zukünftigen neuen Bewohner:innen eine unzureichende ÖPNV-Anbindung vorfinden, sondern die bisherigen Anwohner:innen hätten aufgrund der noch größeren Belastung eine Verschlechterung der derzeitigen Situation zu befürchten.

Diesen über 60 Jahre gewachsenen Wald zu roden, um ein Quartier ohne ausreichende Grün- und Verkehrsinfrastruktur zu schaffen, ist keine nachhaltige Stadtentwicklung.

Den Wald erlebbar machen

Der Erhalt des Waldes bedeutet nicht, dass er unzugänglich bleiben soll. Im Gegenteil: Wir setzen uns dafür ein, den Wilden Wald für die Anwohnerinnen und Anwohner als Naherholungsraum erlebbar zu machen. Dies kann durch behutsame Maßnahmen geschehen, die den naturnahen Charakter des Waldgebiets bewahren.

Denkbar sind barrierefreie Zugänge und naturbelassene Wege, die auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität den Zugang ermöglichen, ohne den Waldboden großflächig zu versiegeln. Sitzmöglichkeiten an ausgewählten Stellen können zum Verweilen einladen. Zusätzlich könnten die Ufer zum Kanal an einigen Stellen zugänglich gemacht und als Aufenthaltsorte gestaltet werden. Informationstafeln zu Flora und Fauna sowie zur Geschichte des Gebiets, oder sogar ein kleines Informationszentrum zu diesen Themen können Bildungsangebote für Schulen und interessierte Besucherinnen und Besucher schaffen. 

Der Wald ist auch ein Ort der Erinnerung: Bei der Sturmflut 1962 starben im Bereich der heutigen Waldfläche über 200 Menschen. Eine würdige Kennzeichnung als Mahnwald sollte Teil der Erschließung sein.

Wir erkennen an, dass im Zuge der Quartiersentwicklung auch eine Sportanlage geschaffen werden muss – analog zur Verlagerung der Sportanlage Vogelhüttendeich beim Elbinselquartier (Drucksache 21-4316). Die bestehenden Sportanlagen vor Ort müssen also erweitert werden. Dafür ist voraussichtlich eine begrenzte Rodung am Waldrand erforderlich. Diese sollte so schonend wie möglich erfolgen und auf das notwendige Minimum beschränkt bleiben.

Entscheidend ist: Der Wald soll Wald bleiben. Es geht nicht darum, eine gestaltete Grünanlage zu schaffen, sondern einen gewachsenen Naturraum zugänglich zu machen, ohne ihn grundlegend zu verändern. Die Wildheit und Ursprünglichkeit des Ortes ist sein besonderer Wert.

Wohnungsbau 

Die Volt-Fraktion Hamburg-Mitte nimmt die Wohnungsnot in Hamburg ernst. Gleichzeitig sind wir überzeugt: Die Rodung des Wilden Waldes ist der falsche Weg. Es gibt bessere Alternativen.

In Hamburg stehen viele Büroflächen leer. Studien zeigen, dass durch deren Umnutzung mehrere tausend Wohnungen entstehen könnten, und das zu geringeren Kosten, als das bei Neubau der Fall wäre. In Bergedorf wird bereits ein ehemaliges Bürogebäude zu 32 Cluster-Wohnungen umgebaut. Zudem befinden sich viele leerstehende Büros in gut erschlossenen Lagen – anders als das geplante Spreehafenviertel. Wir setzen daher auf Nachverdichtung vor Neubau auf Grünflächen. Zusätzlich ergeben Aufstockung, Brachflächennutzung und Mischquartiere erhebliche Potenziale. Auch Leerstand muss aktiviert werden. Bevor wir Waldflächen roden, sollten wir bestehende Gebäude nutzen und andere Potenziale für die Schaffung von Wohnraum ernsthaft prüfen.

Unsere Forderungen

Die Volt-Fraktion Hamburg-Mitte fordert den Senat und das Bezirksamt auf, den Bebauungsplan Wilhelmsburg 102 grundlegend zu überarbeiten. Der Wilde Wald muss als Wald im Sinne des Landeswaldgesetzes in seinem Kernbestand erhalten bleiben. Die Fläche ist im aktuellen Bebauungsplan als Hafenfläche ausgewiesen. Für eine langfristige Erhaltung des Waldes setzen wir uns für eine entsprechende Änderung des Bebauungplans ein. Der Wald soll gleichzeitig als Naherholungs- und Lernort für die Anwohner:innen zugänglich werden. Dafür fordern wir behutsame Erschließungsmaßnahmen, die den naturnahen Charakter bewahren. Wir sehen, dass die Sportinfrastruktur im Norden Wilhelmsburg aufgeweitet werden muss und unterstützen deshalb die Erweiterung der örtlichen Sportanlagen. Die Rodungen, die dafür notwendig sind,  sollten aber auf das erforderliche Minimum begrenzt bleiben. 

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