Hamburg, 29.05.2026 – Die Volt-Fraktion Altona kritisiert die ablehnende Stellungnahme der Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation (BWAI) zum von Volt initiierten Prüfantrag für ein Pilotprojekt zum sogenannten „Laternenladen“ scharf. Obwohl die Behörde die technische Machbarkeit, die rechtliche Zulässigkeit im Rahmen von Pilotprojekten sowie die grundsätzliche Eignung von Ladelaternen ausdrücklich bestätigt, verweigert sie eine praktische Erprobung in Altona.
„Die Behörde bestätigt schwarz auf weiß: Pilotierungen sind möglich, die Lösung ist interessant und technisch realisierbar – und trotzdem verhindert man die Innovation. Das ist verkehrspolitisch mutlos und klimapolitisch widersprüchlich“, erklärt Patrick Fischer, Co-Fraktionsvorsitzender und mobilitätspolitischer Sprecher der Volt-Fraktion Altona.
Der Antrag der Fraktionen Volt und LINKE, der in der Bezirksversammlung Altona eine breite Mehrheit erreichte, zielte darauf ab, gemeinsam mit den zuständigen Behörden und Infrastrukturpartnern ein zeitlich befristetes Pilotprojekt für Ladepunkte an Straßenlaternen in dicht bebauten Quartieren Altonas zu prüfen. Hintergrund sind die konkreten Probleme vieler Mieter*innen ohne privaten Stellplatz oder Wallbox.
„Gerade in dicht bebauten Stadtteilen wie Ottensen, Altona-Nord oder Sternschanze können Menschen oft gar nicht auf ein E-Auto umsteigen, obwohl sie es gerne würden. Ihnen fehlt schlicht die wohnortnahe Lademöglichkeit. Genau dafür sind Ladelaternen gedacht: als Ergänzung zu klassischen Ladesäulen – nicht als Ersatz“, so Fischer.
Die Volt-Fraktion sieht insbesondere die Argumentation der Behörde zur Mindestladeleistung kritisch. Diese verweist auf bestehende Konzessionsverträge mit sechs Ladeinfrastrukturbetreibern und eine vorgeschriebene Mindestleistung von 11 kW pro Ladepunkt. Ladelaternen mit geringerer Leistung passten deshalb nicht ins aktuelle System.
„Hier zeigt sich ein strukturelles Innovationshemmnis durch starre Konzessionslogiken. Für Betreiber mag langsames Laden wirtschaftlich weniger attraktiv sein, weil weniger Strom in kürzerer Zeit verkauft wird. Aber genau dieses langsame Laden über Nacht entspricht den Bedürfnissen vieler Menschen in urbanen Quartieren“, erklärt Fischer.
Auch das technische Argument der zu geringen Ladegeschwindigkeit überzeugt die Volt-Fraktion nicht, da Mieter*innen gerne über einen längeren Zeitraum auf dem Ladeparkplatz parken möchten. Die Behörde selbst räumt ein, dass rund 25.000 der 105.000 Hamburger Lichtmasten grundsätzlich geeignet wären.
„Wenn selbst die Behörde von potenziell 25.000 geeigneten Standorten spricht, dann zeigt das doch gerade das enorme Potenzial für ein dichteres Ladenetz. Das kleinzureden ist absurd“, so Fischer weiter.
Besonders kritisiert Volt die fehlende sozialpolitische Perspektive der Stellungnahme, da die Interessen von Mieter*innen ohne eigene Stellplätze viel zu kurz kämen.
Auch das Argument, reservierte Ladeplätze könnten den Parkdruck erhöhen, weist die Volt-Fraktion zurück. „Die Behörde argumentiert ernsthaft, E-Autos könnten Parkplätze für Verbrenner blockieren. Das spricht Bände darüber, mit welchem Ehrgeiz der Senat die Antriebswende als Teil der Mobilitätswende tatsächlich verfolgt. Die Realität ist doch umgekehrt: Viele Menschen steigen gerade deshalb nicht auf E-Mobilität um, weil die Ladeinfrastruktur in ihren Quartieren noch unzureichend ist.“
Volt verweist darauf, dass andere europäische Städte wie London, Paris, Wien oder Berlin bereits eine Vielzahl von Laternenladepunkten im Einsatz haben.
„Der Senat beschreibt Laternenladen selbst als interessante Option und erklärt gleichzeitig, warum man es nicht ausprobieren möchte. Das ist ein Widerspruch in sich. Wir brauchen mehr Pragmatismus und mehr Bereitschaft, neue Lösungen im Realbetrieb zu testen“, so Fischer abschließend.
Die Volt-Fraktion Altona kündigt an, das Thema weiterhin politisch voranzutreiben und sich für sozial gerechte, flächensparende und alltagstaugliche Ladeinfrastruktur im Bezirk einzusetzen.
